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Kommunale 2007 in Nürnberg
Nein, wirklich, die Kommunale in Nürnberg ist wirklich keine BPM-Ausstellung. Da stand das neue Feuerwehrauto neben dem Beratungsunternehmen für Doppik. Als Ausländer habe ich hier wirklich gelernt, dass Bier in Bayern ein Grundnahrungsmittel ist.
Trotzdem — auch aus BPM-Sicht eine interessante Messe. Am Stand der Vereinigung der Bayrischen Wirtschaft stand unter dem Titel die Musterverwaltung auch die Firma GZVL (Gesellschaft für zukunftsweisende Verwaltungslösungen) mit einem hoch interessanten Ansatz:
Die Grundüberlegung des Ansatzes ist praxisgetrieben. Es geht dabei darum, Kommunen die geeigneten Software-Hilfsmittel und ein Coaching anzubieten um ihnen die Möglichkeit zu geben ihre eigenen Prozesse nicht nur zu optimieren sondern anschliessend auch in Software umzusetzen. Dabei wird von den Ist-Prozessen ausgegangen, welche mit Hilfe einer BPM-Lösung, welche speziell für die Bedürfnisse einer Verwaltung ausgelegt ist, aufgenommen werden. Organisationsverantwortliche in der Gemeinde sollen dies nach nur 2 Stunden Training schon selbst können. Durch die Unterstützung von Coaches, welche zum einen die eingesetzte Software und andererseits das Thema „Verwaltungsprozesse“ beherrschen können Unsicherheiten schnell behoben werden.
Wiederum im Coachingansatz werden die Prozesse anscheinend optimiert. Dabei können verschiedene Anspruchsträger von Datenschutz über Rechtsdienst, Frauenbeauftragte, Personalvertretung etc. schon während der Optimierung Kommentare hinterlegen und so frühzeitig mithelfen, die Prozessumsetzung in die richtigen Bahnen zu lenken.
Der Ansatz geht hier aber weiter. Die Fachabteilung zeichnet nicht nur Prozessflüsse, sondern kann auch direkt Rollen, einbezogene IT-Ressourcen, benötigte Datenfelder u.v.a. eintragen. Wird anschliessend der so erstellte Prozess exportiert und in einer Prozessautomations-Software (man könnte vereinfachend auch Workflow Engine sagen) „zum Leben erweckt“ — also in ausführbare Applikation überführt, so wird nicht nur ein Prozessfluss übernommen, sondern es werden zusätzliche Informationen wie Datenmodell, Rollenkonzept etc. auch direkt weiterverwertet. Für den Programmierer ergibt sich damit der Vorteil, dass er nicht raten muss, sondern anhand von klaren Vorgaben sehr schnell Prozessapplikationen gestalten kann. Dies indem er einerseits mit einem integrierten Webeditor das UserInterface, andererseits mit Programmanbindungen via Webservice, SOAP, APIs, JDBC/ODBC und vielen weiteren Schnittstellen die bestehende Softwarelandschaft integriert.
Dies also mein persönliches Highlight von der Kommunale.
eProcurement: Spezialisierte Insellösung oder Entwicklungsplattform
Der Markt für elektronische Beschaffungslösungen ist heute gross und unübersichtlich. Jedes Jahr drängen neue Systeme auf den Markt und alte verschwinden. Dies hängt nicht zuletzt oft damit zusammen, dass der Verkauf von eProcurement-Software „hartes Brot“ und der realisierbare Dienstleistungsanteil oft eher bescheiden ist. Beispiele mit Implementierungsfristen von ein paar Wochen sind durch Success Stories verschiedener Anbieter hinlänglich bekannt.
Schon relativ kurze Zeit nach Einführung stellen viele Nutzer von eProcurement-Lösungen fest, dass sie irgendwann an Grenzen der Parametrisierbarkeit stossen. Dann wird entweder viel Geld für individuelle Anpassungen und Erweiterungen ausgegeben, welche die Releasefähigkeit nachhaltig gefährden, oder sie sind gezwungen, für Individualwünsche zusätzliche Software-Tools einzusetzen. Hier ein Supplier Ressource Management-Produkt, da eine Ausschreibungssoftware und dort eine Lieferanten-Bewertungs-Datenbank. Beide Ansätze führen in vielen Unternehmen zu keinem befriedigenden Ergebnis. Auf eine tatsächliche Alternative kommt man jedoch, wenn man das Thema eProcurement abstrahiert.
Wenn man sich vorstellt, eine eProcurement-Software zu entwickeln, dann braucht es bestimmte Bausteine: Zunächst werden Katalogdatenbanken benötigt, aus denen die zu beschaffenden Güter ausgewählt werden können. Hinzu kommt eine umfassende Rollenverwaltung, die besagt, welcher Anwender welche Güter beschaffen, freigeben, visieren, entgegennehmen und eventuell ihre Qualität bewerten darf. Ergänzende Stellvertreter-, Routing– und Informations-Funktionen beschreiben zudem, welche weiteren Aufgaben den betreffenden Rolleninhabern zugewiesen sind.
Selbstverständlich sind auch Schnittstellen zu vor– und nachgelagerten Systemen notwendig, um eine medienbruchfreie Datenverarbeitung und –auswertung sicherzustellen — von der Übermittlung von Bestellungen und den zugehörigen Finanzdaten bis hin zu aussagekräftigen Auswertungsmöglichkeiten.
Sieht man von den Katalogdatenbanken ab, so stellen diese benötigten Bausteine einen Teil der Elemente einer Business Process Management Engine dar. BPM Engines, die nicht nur Geschäftsprozesse aufzeichnen, sondern diese auch auf Knopfdruck in ausführbaren Programmcode überführen, haben dasselbe Leistungsspektrum. Sie verwalten, greifen auf Rollen zu, weisen Aufgaben zu, binden Umsysteme ein und machen alle Prozessschritte nachvollziehbar.
Manche Hersteller liefern Templates aus, die Beschaffungsprozesse darstellen, aber im Rahmen der Implementierung beim Kunden vollständig auf seine Bedürfnisse und die vorherrschende IT-Umgebung angepasst werden können.
Gute Systeme brauchen dabei kaum oder gar keine Programmanpassungen, sondern lassen sich einfach parametrisieren. Ein wichtiger Vorteil dieses Ansatzes ist, dass eine BPM Engine es nicht bei den Beschaffungsprozessen belässt. Soll das eigentliche Procurement auch um angrenzende Abläufe ergänzt werden, läuft die BPM Engine zur Bestform auf. Egal, ob es sich um Prozesse zur Lieferantenbewertung, Prüfung und Ausschreibung handelt, oder um Abläufe aus ganz anderen Geschäftsbereichen wie Vertrieb, HR, Produktion oder Planung. Zudem beherrscht eine professionelle BPM Engine natürlich auch die Einbindung externer Katalogdatenbanken, egal ob vom Lieferanten in CD-Form geliefert oder über Internet als Webservice zur Verfügung gestellt. Damit kann die Pflege entsprechender Katalogdaten beim Lieferanten erfolgen.
Wie müsste nun ein Beschaffungsprozess für C-Teile im Rahmen einer BPM Engine aussehen? Hier ein Beispiel:
1) Der Besteller greift auf einer einheitlichen Maske wahlweise auf Lieferantenkataloge im Internet oder auf lokalem Datenträger, die eigene ERP oder lokale Katalogsoftware–
Lösungen zu. Die Rollen– und Rechteverwaltung der BPM Software stellt dabei sicher, dass der Besteller nur auf die Artikel zugreifen kann, die er auch bestellen darf.
2. Gibt es mehrere Lieferanten für ein Produkt, so kann sich der Besteller die verschiedenen Angebote merken und ggf. in einer Oberfläche miteinander vergleichen. Ist dies nicht der Fall, kann dieser Schritt auch übersprungen werden.
3. Der Besteller stellt die von ihm gewählten Artikel in einen Warenkorb, der ihm vom BPM Tool zur Verfügung gestellt wird. Die hier eingestellten Artikel, Mengen etc. kann er selbstverständlich jederzeit ändern. Durch die Verwendung standardisierter Formate, wie sie heute üblich sind (z.B. BMECat) ist sichergestellt, dass die Daten richtig erkannt und weiterverarbeitet werden können.
4. Der Besteller schliesst die Bestellung ab und je nach Anforderungen wird im Rechnungswesen das vorhandene Restbudget auf der Kostenstelle, aus der Lagerverwaltung eventuell vorhandene Abrufaufträge dargestellt und verglichen oder eventuell noch an Lager befindliche, gleiche Artikel ermittelt.
5. Anschliessend wird abhängig von der Berechtigung des Bestellers sowie von Art und Preis, der gewählten Artikel an einen Vorgesetzten, Kostenstellenleiter, fachlichen Experten (z.B. IT für Soft– & Hardware-Bestellungen) weitergeleitet. Diese können berechtigen, ggf. weiter eskalieren, ablehnen oder Bestellmengen anpassen. Mehrere gestaffelte oder parallele Freigabestufen sind möglich.
6. Die Bestellung wird an den Einkauf weitergegeben oder gleich an den Lieferanten gesendet.
7. Beim Wareneingang nimmt der Lagerist die Ware entgegen und leitet sie ggf. zur Qualitätsprüfung weiter und benachrichtigt zugleich den Empfänger elektronisch über den Eingang. Die Daten werden zugleich auch im gewünschten Detaillierungsgrad an die ERP-Software übergeben.
Die genannten Funktionen beherrscht eine gute eProcurement-Lösung selbstverständlich auch. Schon etwas kniffliger wird das Ganze, wenn im Beschaffungsprozess automatisiert Angebote (ggf. unter Beifügung von Zeichnungen o.ä.) eingeholt und eingegangene Angebote wiederum in das System integriert werden sollen.
Sollen ggf. Bestellungen von verschiedenen Abteilungen oder Tochterfirmen gar zusammengefasst werden, um bessere Konditionen zu erreichen, oder aber automatisiert Alternativprodukte vorgeschlagen werden, bei welchen besondere Jahresabschlüsse zu günstigeren Konditionen führen, streichen viele Lösungen genauso die Segel wie bei der Beschaffung von A– und oder B-Teilen.
Genau hier kommen die Stärken einer Lösung zum Tragen, die ihre Prozesse den Bedürfnissen der Benutzer zu 100% anpassen kann, ohne dabei Upgradebarkeit zu verlieren oder riesige Entwicklungskosten zu verursachen. Gute BPM Engines sind dabei in der Lage, etwa 90% aller Anforderungen umzusetzen, ohne dass eine Zeile Programmcode geschrieben werden müsste. Natürlich soll nicht verschwiegen werden, dass die Einführung einer Standardsoftware schneller und in vielen Fällen auch günstiger ist. Dies wird aber mit den genannten Einschränkungen an Flexibilität und Ausbaubarkeit bezahlt. Es gilt in jedem Fall Vor– und Nachteile gegeneinander abzuwägen. Nur dann kann eine kurz– und langfristig optimale Lösung gefunden werden.


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