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Big Business mit kleinen Prozessen?
Die Grundidee hinter BPM — Business Process Management — ist natürlich, dass sich eine Firma oder Organisation gesamtheitlich auf Geschäftsprozessmanagement ausrichtet. Wie Quality Management oder viele andere wichtige Themen in einer Organisation kann ein solcher Ansatz nur dann wirklich erfolgreich sein, wenn sich eine Organisation gesamtheitlich daran ausrichtet. BPM ist wie Quality Management „Chefsache“ die „von oben“ getragen und unterstützt werden muss.
Diese Aussage wird man so — oder so ähnlich — in jedem gängigen Buch über Business Process Management lesen können. Sie ist richtig — aber in Hinblick auf die IT Umsetzung nicht ganz vollständig.
Ja, es ist korrekt. Eine Firma wird den optimalen Nutzen dann haben, wenn sie alle ihre Prozesse beherrscht, sie kennt, sie optimiert…
Leider ist dies für viele Firmen und Organisationen kurzfristig keine Option. Es ist nicht die Kernaufgabe einer Organisation ihre Prozesse zu optimieren. Firmen produzieren, entwickeln, verkaufen oder erbringen Dienstleistungen… Dabei ist es selbstverständlich ein Kostenvorteil, wenn die dahinterstehenden Prozesse optimiert sind. Doch niemand wird sein Geschäft ein Jahr lang schliessen können um sich einfach einmal um seine Prozesse zu kümmern. Somit ist Prozessausrichtung und –Automatisierung in der Praxis eigentlich immer ein „schleichender Prozess“.
Für die Auswahl der ersten Prozesse welche aufgenommen, optimiert und in Software umgesetzt werden sollen gibt es verschiedene Ansatzpunkte. In manchen Firmen geht man davon aus, dass die optimale Wahl Prozesse sind, deren Wertschöpfung für die Unternehmung besonders gross sind und wo eine Optimierung die grössten Auswirkungen zeigen kann. Andere finden es sinnvoll, Prozesse zu wählen, die besonders schwierig sind und wo aktuell die grössten Probleme bestehen. Wieder andere Firmen entscheiden sich spontan für irgendwelche Supportprozesse wie „Spesenprozess“, „Urlaubsantrag“ oder „Eintritt neuer Mitarbeiter“. Geschieht dies aus der Überlegung, dass man sich hier am ehesten ein „Versagen“ des Ansatzes leisten kann, so ist dies nachvollziehbar. Wird dies allerdings als erster Schritt für eine Prozessorientierung der Firma gesehen, so zeigt meine Erfahrung, dass dieser Ansatz in einer grossen Zahl der Fälle direkt aufs Abstellgleis führt.
Die Umsetzung eines Spesenprozesses oder auch eines Urlaubsantrages wird sich kaum je finanziell lohnen. Vielmehr ist es so, dass man sich für die Investition in Software und Beratung zur Umsetzung eines entsprechenden Prozesses bequem einen privaten Kurierdienst besorgen könnte, der die Spesenanträge durchs Haus trägt und Vorgesetzten und Buchhaltung übermittelt. Ein Lerneffekt für die Organisation ist damit auch nicht wirklich erreichbar. Es ist nur irgend eine Maske wo man Spesen einträgt. Statt in Excel wird dann ein anderes Formular ausgefüllt. Sonst ändert sich für den Mitarbeiter nichts.
Es kann durchaus Sinn machen kleine Prozesse umzusetzen. Allerdings muss dabei sichergestellt werden, dass die Wertschöpfung für die Organisation ein entsprechendes Projekt rechtfertigt. Es kann durchaus sein, dass der erste Prozess noch nicht „Geld verdient“ — wenn er aber permanent kostet ist womöglich das Abschalten des automatisierten Prozesses sinnvoller.
Die optimale Wahl eines Prozesses zum Anfangen ist für unterschiedliche Firmen sehr verschieden. Grundlage der Entscheidung sollte sein:
- Es muss mit der Umsetzung auch eine monetäre eine Wertschöpfung für die Firma einhergehen.
- Möglichst viele Personen sollten im Prozess auch involviert werden und das auch spüren. Nur so ist ein Lerneffekt für die Organisation erreichbar.
- Die Prozessumsetzung muss eine bestehende „pain“ — also irgendetwas, was aktuell im Argen liegt, beheben. So kann Prozessausrichtung von den betroffenen Personen auch als positiv empfunden werden.
Sind diese Voraussetzungen erfüllt ist eine Basis zur schrittweisen Prozessautomatisierung in einer Firma gelegt.


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