Archive for September 14th, 2007:
Business Process Management — A Practical Guide
Business Process Management — A Practical Guide
von Rashid N. Khan (2004)
Ein Buch mit dem ich viele persönliche Erinnerungen verbinde. Als ich in der deutschen Niederlassung der Firma von Rashid N. Khan meinen ersten Arbeitstag hatte schien niemand so genau zu wissen, was man mit „dem Neuen“ nun anfangen sollte. Der Laptop war auch noch nicht da. Entsprechend wurde mir dies Buch in die Hand gedrückt, damit ich mich in die Denkweise der Firma einlesen könne.
Ich habe sehr viel in diesem Buch gelesen und es ist sehr schade, dass es meines Wissens bislang nur in Englisch vorliegt obwohl die Software von Rashid in über 60 Ländern verkauft wird. Das Buch ist ein ausgezeichneter Einstieg ins Thema BPM und ein sehr guter Einstieg in die Ideen der Firma Ultimus.
In Anbetracht der Tatsache, dass das Buch 2004 erschienen ist, sind einige neuere Entwicklungen auf dem Softwaremarkt allgemein und wohl auch im Hause Ultimus nicht mehr enthalten. Das tut der Grundaussage aber keinen Abbruch.
Die Kapitel:
- A Brief Introduction to BPM
- Workflow Automation
- Enterprise Application Integration
- The Emergence of BPM
- Inside Business Processes
- Small Ways of Routing Work
- BPM Solution Architectures
- Business Process Modeling and Analysis
- BPM Server and Administration
- BPM Process Development
- Workflow Client: The End-User Experience
- BPM Reporting and Monitoring
- BPM and Application Integration
- Web Service, BPM and the Internet
- Case Studies in BPM
- Appendix: A Framework for Evaluation BPM Products
Ein klarer Aufbau und viele gute Bilder — viele davon Screenshots aus der Ultimus BPM Suite — machen das Buch sehr lesenswert und verständlich. Was etwas kurz kommt ist da lediglich der Blick über den Tellerrand. Alle Ansätze und Ideen spiegeln die Umsetzung in Ultimus wieder, die Case Studies: Bernstein und Microsoft sind beides Case Studies von Umsetzungen mit Ultimus und wen wundert es, dass das Evaulationsframework als Resultat in jedem Fall Ultimus zum Sieger machen wird — zumal weil Schwächen des Produktes sehr schön in Stärken umgemünzt werden.
Wirklich ein Lesenswertes Buch für Einsteiger, die des Englischen mächtig sind. Viel Informationen anschaulich dargereicht. Ich frage mich noch immer wie Rashid, den ich persönlich kennen lernen durfte und sehr hoch achte, neben all seiner Arbeit — und ich weiss er arbeitet unheimlich viel — die Zeit fand diese über 300 Seiten zu schreiben. Der Leser sollte sich in jedem Fall bewusst sein, dass das ganze Buch neben der Dimension der Fachinformation auch jene der Werbung für das eigene Produkt enthält.
Mein Vorschlag: Lesen — aber nicht als einziges Buch zum Thema — sonst ist die Information zu einseitig.
Geschäftsprozessmanagement im KMU
Im KMU-Bereich ist man mit gutem Grund zurückhaltend, wenn es darum geht, neue Ideen umzusetzen. Nicht alles, was neu ist, ist auch wirklich nützlich. Gerade im Softwareumfeld hat sich gezeigt, dass «neue Software» nur allzu oft ein Synonym für unstabile Software ist. So ist es nicht verwunderlich, dass BPM– und Workflow-Anwendungen gerade bei KMUs noch nicht sehr weit verbreitet sind. Inzwischen haben sich jedoch die Randbedingungen geändert.
Download zum Artikel: Damit alles wie geschmiert läuft
Von der menschlichen Middleware
Der Ausdruck stammt von einem Kunden, der ihn, als ich einmal mit ihm über Gründe für den Einsatz von BPM-Software sprach, spontan prägte.
Wikipedia sagt zu Middleware:
Middleware (deutsch etwa „Zwischenanwendung“) bezeichnet in der Informatik anwendungsneutrale Programme, die so zwischen Anwendungen vermitteln, dass die Komplexität dieser Applikationen und ihrer Infrastruktur verborgen wird. Man kann Middleware auch als eine Verteilungsplattform, d. h. als ein Protokoll (oder Protokollbündel) auf einer höheren Schicht als der der gewöhnlichen Rechnerkommunikation auffassen. Im Gegensatz zu niveautieferen Netzwerkdiensten, welche die einfache Kommunikation zwischen Rechnern handhaben, unterstützt Middleware die Kommunikation zwischen Prozessen.
In vielen Firmen ist das nach wie vor die Aufgabe des Mitarbeiters. Der Mitarbeiter weiss — und muss wissen — was er zu tun hat, wenn die Bestellung eines neuen Kunden eintrifft. Er geht in die CRM-Lösung und erfasst dort den neuen Kontakt (womöglich muss er dazu die vollständigen Daten erst im Internet oder telefonisch abklären). Anschliessend öffnet er die ERP-Applikation und erfasst dort dieselben Daten noch einmal. Die Bestellung scannt er und verschlagwortet sie anschliessend in der DMS-Lösung. Er sendetwomöglich ein Mail an den zuständigen Vertriebsmitarbeiter um eventuelle Fragen betreffend der Konditionen zu klären und legt dann die Bestellung in seinen Posteingang. Erhält er womöglich Stunden oder Tage später die entsprechende Rückmeldung vom Vertrieb, dann sucht er wieder nach der Bestellung und erfasst die entsprechenden Punkte in der ERP nach.
In einfach strukturierten Umgebungen und bei zwei oder drei Mitarbeitern ist dies bestimmt ein pragmatischer Ansatz. In grösseren Firmen kann das aber schnell zu Problemen führen. Dies hat unter anderem die folgenden Gründe:
- Das KnowHow hängt an einzelnen Mitarbeitern — fallen sie aus (Urlaub, Krankheit, Kündigung) fällt damit auch Prozessknowhow weg. Dieses muss entweder redundant gehalten werden (indem eine Aufgabe immer von 2 Personen besetzt wird) oder aber es bedingt im Bedarfsfall (und Krankheiten kommen manchmal zur unpassendsten Zeit) einfach versuchen…
- Die Schulung von neuen Mitarbeitern wird komplexer weil sie eben diese Middleware — Aktivitäten lernen und umsetzen müssen.
- Dinge bleiben liegen. Niemand hat einen genauen Überblick ob alle Aktivitäten schon gemacht wurden. So kann schon einmal eine grössere Bestellung so lange im Postkorb gammeln bis der Kunde reklamiert oder gleich wo anders bestellt, weil er nicht warten kann.
BPM-Software, welche den Aspekt der Prozessausführung mit-unterstützt geht hier einen anderen Weg. Ziel ist es den Mitarbeiter bei der Bewältigung seiner Aufgaben zu unterstützen. (Nicht wie oft unterstellt ihn zu ersetzen.)
Solche Softwareprodukte — und davon gibt es inzwischen verschiedene auf dem Markt — gehen im Allgemeinen davon aus, dass sie dem User eine Oberfläche (ob HTML, Fat Client, Web 2.0 oder Formulare) zur Verfügung stellen in denen er durch seine Aufgaben geleitet wird. Dabei werden ihm zum Bedarfszeitpunkt alle Daten aus den verschiedenen Umsystemen (CRM, ERP, DMS usw.) zur Verfügung gestellt und seine Eingaben werden wiederum in die entsprechenden Systeme übernommen. Der Technologien sind hier viele — taugliche und weniger taugliche.
Die Vorteile dieses Ansatzes entsprechen den Nachteilen des vorgenannten. Was zusätzlich hinzu kommt ist, dass der Mitarbeiter in den für die einzelnen Prozessschritte gestalteten Eingabemasken nur die Felder zur Verfügung gestellt bekommt, die er auch braucht. Es kann dabei festgelegt werden, welche Felder nur der Anzeige dienen, welche ausgefüllt werden müssen und welche es bei Bedarf können. Zusätzlich können entsprechende Felder validiert werden. Damit kann ein grosser Beitrag zur Datenqualität geleistet werden. Wer kann schon sicher sein, dass er in einer Eingabemaske mit hundertfünfzig Feldern über 6 Reiter verteilt nicht irgendwelche Daten einzugeben oder anzupassen vergisst? Wer kann sicher sein, dass jeder Mitarbeiter die Feldbeschriftung „Kundenkategorie“ gleich versteht und nicht einer „A“, ein anderer „Industriekunde“ und der dritte „Neukunde“ eingibt?
Zweifellos kann viel davon auch in bestehenden Systemen entwickelt werden. Viele ERP-Systeme beispielsweise, bieten heute die Möglichkeit an, individuelle Masken für unterschiedliche Mitarbeiter bereitzuhalten und damit ist natürlich auch die Möglichkeit gegeben, dass man verschiedene Masken für verschiedene Aktivitäten anlegt. Das ist im Normalfall eine Frage von Kosten und Zeitaufwand.
Wo aber eigentlich alle Nicht-BPM-Engines scheitern ist dort, wo Prozesse mehrere Systeme tangieren. Natürlich ist es möglich in der ERP auf das CRM zuzugreifen. Doch das wollen Sie ja nicht immer, wenn Sie es aber wollen, dann soll es die für den betreffenden Schritt relevanten Daten anzeigenund Eingaben auch gleich dorthin übertragen…
Wer das in Produkten wie ERP, CRM, DMS, SRM etc. ausprogrammieren lässt wird entsprechende Kosten auf sich zukommen sehen. Gute BPM-Enginges sind hier anders. Es ist die Grundlage ihres Daseins, dass sie flexibel sind, schnell anpassbar und hoch-integrativ.


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