Archive for September, 2007:
DMS Expo — Köln 2007 — Nachlese
Letzte Woche fand in Köln die DMS Expo 2007 statt. Mein persönliches „aha“ hatte ich als ich las, dass DMS für „Digital Management Solution“ steht und nicht für Dokument Management System. Zumindest ist dies die Umschreibung des Veranstalters.
Es war eine schöne, kleine Fachmesse mit Fachbesuchern und interessanten Anwendern auf der Suche nach Lösungen. Kurz: hier war Klasse zu finden — Masse eher weniger. Dazu der übliche Mix von Beratern vom Herrn Dr. „ich weiss alles — aber nenne jede Prozessnotation EPK weil ich den Unterschied nicht kenne“ bis hin zum echten Fachmann, der mit ein paar wenigen Fragen klar herausschält ob eine Lösung taugt oder nur mit dem BPM — Ettikett modern scheinen will.
Im Hinblick auf das Thema BPM habe ich einige sehr innovative Ansätze gefunden — aber leider auch sehr viel was einfach mit BPM nicht wirklich etwas zu tun hat. Erschreckend dabei ist, wie viele Besucher sich von bekannten Namen leiten lassen und dabei innovative Lösungen mit weniger Werbebudget einfach übersehen. Das lässt sich wohl auch damit erklären, dass an der DMS Expo etwa 50% der Stände mit Attributen wie „BPM“, „Workflow“, „Prozesssteuerung“ und ähnlichem glänzten und jemand, der sich nicht tagtäglich mit der Materie beschäftigt von dieser Fülle einfach überfordert ist?
Auf alle Fälle — ein herzliches Dankeschön an die Messe Köln und an die Veranstalter der DMS Expo. Es hat Spass gemacht drei Tage bei Euch zu Gast zu sein.
Big Business mit kleinen Prozessen?
Die Grundidee hinter BPM — Business Process Management — ist natürlich, dass sich eine Firma oder Organisation gesamtheitlich auf Geschäftsprozessmanagement ausrichtet. Wie Quality Management oder viele andere wichtige Themen in einer Organisation kann ein solcher Ansatz nur dann wirklich erfolgreich sein, wenn sich eine Organisation gesamtheitlich daran ausrichtet. BPM ist wie Quality Management „Chefsache“ die „von oben“ getragen und unterstützt werden muss.
Diese Aussage wird man so — oder so ähnlich — in jedem gängigen Buch über Business Process Management lesen können. Sie ist richtig — aber in Hinblick auf die IT Umsetzung nicht ganz vollständig.
Ja, es ist korrekt. Eine Firma wird den optimalen Nutzen dann haben, wenn sie alle ihre Prozesse beherrscht, sie kennt, sie optimiert…
Leider ist dies für viele Firmen und Organisationen kurzfristig keine Option. Es ist nicht die Kernaufgabe einer Organisation ihre Prozesse zu optimieren. Firmen produzieren, entwickeln, verkaufen oder erbringen Dienstleistungen… Dabei ist es selbstverständlich ein Kostenvorteil, wenn die dahinterstehenden Prozesse optimiert sind. Doch niemand wird sein Geschäft ein Jahr lang schliessen können um sich einfach einmal um seine Prozesse zu kümmern. Somit ist Prozessausrichtung und –Automatisierung in der Praxis eigentlich immer ein „schleichender Prozess“.
Für die Auswahl der ersten Prozesse welche aufgenommen, optimiert und in Software umgesetzt werden sollen gibt es verschiedene Ansatzpunkte. In manchen Firmen geht man davon aus, dass die optimale Wahl Prozesse sind, deren Wertschöpfung für die Unternehmung besonders gross sind und wo eine Optimierung die grössten Auswirkungen zeigen kann. Andere finden es sinnvoll, Prozesse zu wählen, die besonders schwierig sind und wo aktuell die grössten Probleme bestehen. Wieder andere Firmen entscheiden sich spontan für irgendwelche Supportprozesse wie „Spesenprozess“, „Urlaubsantrag“ oder „Eintritt neuer Mitarbeiter“. Geschieht dies aus der Überlegung, dass man sich hier am ehesten ein „Versagen“ des Ansatzes leisten kann, so ist dies nachvollziehbar. Wird dies allerdings als erster Schritt für eine Prozessorientierung der Firma gesehen, so zeigt meine Erfahrung, dass dieser Ansatz in einer grossen Zahl der Fälle direkt aufs Abstellgleis führt.
Die Umsetzung eines Spesenprozesses oder auch eines Urlaubsantrages wird sich kaum je finanziell lohnen. Vielmehr ist es so, dass man sich für die Investition in Software und Beratung zur Umsetzung eines entsprechenden Prozesses bequem einen privaten Kurierdienst besorgen könnte, der die Spesenanträge durchs Haus trägt und Vorgesetzten und Buchhaltung übermittelt. Ein Lerneffekt für die Organisation ist damit auch nicht wirklich erreichbar. Es ist nur irgend eine Maske wo man Spesen einträgt. Statt in Excel wird dann ein anderes Formular ausgefüllt. Sonst ändert sich für den Mitarbeiter nichts.
Es kann durchaus Sinn machen kleine Prozesse umzusetzen. Allerdings muss dabei sichergestellt werden, dass die Wertschöpfung für die Organisation ein entsprechendes Projekt rechtfertigt. Es kann durchaus sein, dass der erste Prozess noch nicht „Geld verdient“ — wenn er aber permanent kostet ist womöglich das Abschalten des automatisierten Prozesses sinnvoller.
Die optimale Wahl eines Prozesses zum Anfangen ist für unterschiedliche Firmen sehr verschieden. Grundlage der Entscheidung sollte sein:
- Es muss mit der Umsetzung auch eine monetäre eine Wertschöpfung für die Firma einhergehen.
- Möglichst viele Personen sollten im Prozess auch involviert werden und das auch spüren. Nur so ist ein Lerneffekt für die Organisation erreichbar.
- Die Prozessumsetzung muss eine bestehende „pain“ — also irgendetwas, was aktuell im Argen liegt, beheben. So kann Prozessausrichtung von den betroffenen Personen auch als positiv empfunden werden.
Sind diese Voraussetzungen erfüllt ist eine Basis zur schrittweisen Prozessautomatisierung in einer Firma gelegt.
Erfolgreiches BPO durch Einsatz von BPM-Software
Nur wenn eine Übereinstimmung von Prozessdarstellung und gelebtem Prozess vorliegt, werden Prozesse delegierbar und können ausgelagert werden. Deshalb hat Business Process Outsourcing ohne Business Process Management keinen Sinn.
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